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Am dritten Tag unserer Reise ging es vom Holmenkolm zuerst mal den Berg runter, über die Stadtautobahn zum Vigelandpark. Unser erstes sportliches Ziel war, vor allen anderen Besuchern am Vigelandpark zu sein, um das Werk des Künstlers möglichst ungestört betrachten zu können. Eine chinesische Gruppe war etwas flotter, sodass wir an einigen Stellen zuerst die Beweisfotos abwarten mussten, bis wir an die einzelnen Skulpturengruppen rankamen. Im Vigelandsanlegget, wie der Park auf norwegisch heißt, findet man rund 200 Stein- und Bronzeskulpturen von Gustav Viegeland. Der Park dient heute den Einheimischen als Naherholungsgebiet. Interessanterweise mussten wir hier keinen Eintritt bezahlen.

Der Künstler hat die Skulpturen zwischen 1923 und 1943 geschaffen. Besonders eindrucksvoll fand ich den Kreislauf des menschlichen Lebens: In der Mitte steht eine Säule, der „Monolitten“ der zwölf übereinandergeschlichtete Figuren zeigt. Drumherum sind gezählte 36 Figurengruppen zu finden, die jeweils ein Lebensalter zeigen.

Von den Bronzestatuen hat es mir natürlich der kleine Zornpinkel besonders angetan, der mit dem offiziellen Namen „Sinntaggen“ heißt. Er weist eine ganz glänzende Faust auf, die angeblich Glück bringt, wenn man sie angreift.

Im Anschluss an den Spaziergang durch den Park, fuhren wir auf die Museumsinsel, wo neben dem Vikingshiphuset, also dem Wikingerschiff-Museum, diverse andere Museen untergebracht sind. Ähnlich wie in Stockholm, gibt es hier auch ein Freilichtmuseum, wo verschiedene Hausformen aus ganz Norwegen museal aufbereitet, für Besucher zugänglich sind. Ausserdem besitzt der König von Norwegen auf der Insel seinen eigenen Bauernhof – was eine Tradition der norwegischen Könige ist – samt „kleiner“ Residenz daneben.

Im Wikingerschiff-Museum kann man drei Wikingerboote bestaunen, die als Grabbeigaben gedient hatten. Es handelt sich um die Funde aus dem Oseberg-Schiff, dem Gokstad-Schiff und dem Tune-Schiff. Ausserdem sieht man verschiedene Grabbeigaben aus dem Borre-Friedhof in Horten.

Das  Oseberg-Schiff hat mich besonders beeindruckt, da es eine Grabstätte für zwei Frauen war, die 834 n.Ch. gestorben sind. Eine war ca. 50 Jahre alt, die andere rund 70 Jahre alt. Die Grabbeigaben hatten auffallend gute Qualität. Darunter war ein Wagen, mehrere Schlitten und einige geschnitzte Tierköpfe, die durch ihre Qualität auch besonders wertvoll gewesen sein dürften. Warum da zwei Personen begraben sind, und welche Rolle die beiden Frauen hatten, darüber kann man nur spekulieren. Auch ob eine der anderen ins Grab gefolgt ist, oder „wurde“ verraten die Skelette nicht.

Das Gokstad-Schiff war die Begräbnisstätte für einen reichen Mann, der um 900 n.Ch. gestorben ist. Obwohl das Grab alt beraubt war, fanden die Archäologen noch jede Menge Grabbeigaben, die auch heute ausgestellt sind. Der Tote war mit großen Mengen von Gebrauchsgegenständen und Waffen aus Eisen bzw. Bronze ausgestattet. 12 Pferde, 8 Hunde und diverse andere Tiere begleiteten ihn auf seiner letzten Reise.

Das Tune-Schiff diente auch einem reichen Mann als Begräbnisstätte. Dieses Schiff ist am schlechtesten erhalten. Auch dieses Grab wies zahlreiche Grabbeigaben auf, unter anderem fanden die Archäologen Reste von Holzskis.

Unsere nächster Stop lag nur wenige Minuten entfernt auf der Museumsinsel. Wir besuchten die Fram und die Gjoa. Beide Schiffe spielten mit unterschiedlichen Besatzungen bei der Entdeckung und wissenschaftlichen Erforschung des Nord- und des Südpols eine große Rolle.

Die Fram heißt auf norwegisch „vorwärts“. Die Konstruktion war so gestaltet, dass das Schiff vom Eisdruck angehoben wurde und deshalb nicht zerdrückt werden konnte. Das 1892 fertiggestellte Schiff wurde zwischen 1893 und 1912 für drei große Expeditionen genutzt: Fritjof Nansen war damit 1893 – 1896 am Nordpol. Otto Sverdrup erforschte und kartographierte damit 1898 – 1902 die Sverdrup Inseln, die nördlich von Kanada liegen. Roald Amundsen erforschte damit von 1910 – 1912 den Südpol und war auch der erste, der den Südpol erreichte und damit das Rennen gegen die britische Exepedition, geleitet von Robert Scott, gewann.

Was ich recht spannend fand, war, dass Amundsen angeblich zuerst plante den Nordpol zu erreichen. Als er hörte, dass bereits eine Expedition dorthin unterwegs war, bzw. 1909 den Nordpol erreicht hatte, beschloss er den Südpol anzufahren und soll seine Geldgeber erst von unterwegs über die Planänderung informiert haben. Das nennt sich Entdeckergeist.

 

Von der Museumsinsel ging es weiter ins Stadtzentrum, wo wir als erstes die in Carrara Marmor gekleidete neue Oper in Augenschein nahmen, die dort deit 2008 in Betrieb ist. Das Vorbild für dieses Opernhaus ist das Sydney Opera House, das ebenfalls direkt im Hafen gelegen ist.

Rund um die neuer Oper und das neue Hauptbahnhofsgebäude stehen nur hochmoderne, Hochhäuser, die diesem Viertel einen recht futuristischen, jungen Anstrich geben. Die neue Oper war das bisher grösste Bauprojekt Norwegens der Nachkriegszeit und hat mehr als 500 Mio Euro gekostet.

Die Fassade des Gebäudes besteht zu 90 Prozent aus weißem italienischen Carrara-Marmor und zu zehn Prozent aus norwegischem Granit, was massive Probleme mit sich bringt, da der Carrara Marmor die Witterungsbedingungen vor allem im Winter nur schwer verträgt. Schon bei der Eröffnung war ein Drittel der Platten leicht gelblich verfärbt.

Gleich neben dem Opernhaus liegt im Hafenbecken eine Skulptur „der kleine Eisberg„. Sie wurde von Monica Bonvicini hergestellt. Die Figur soll an das Gemälde: „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich erinnern.

Von der Oper fuhren wir durch ein völlig neues, von Hochhäusern geprägtes Viertel zum Bahnhof, wo wir dann auf Schusters Rappen unseren Spaziergang durch die Altstadt begannen.Wir marschierten durch die Fussgängerzone vorbei an einem ehemaligen Kloster zur Domkirche.

 

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Der Dom zu Oslo ist bereits die dritte Hauptkirche Oslos. Nach dem großen Brand 1624 wurde die Stadt verlagert. Rund um den Dom entstand ein neues Stadtviertel. Auch dieser Dom brannte Ende des 17. Jahrhunderts. Die heutige Kirche stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, wurde aber im 19. Jahrhundert umgebaut.

Die Kirchen ist innen recht bunt ausgestattet.

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Ein Teil der Glasfenster wurde vom Bruder von Gustav Vigeland gestaltet. Was beim Eingang auffiel – an der Eingangstür befinden soch einige Reliefe, die Szenen aus der Bibel darstellen. Betrachtet man die Kleidung der dargestellten Figuren, haben diese einen starken Bezug zur Gegenwart und zeigen norwegisch gekleidete Menschen.

In dieser Kirche hat 1968 der heutige König geheiratet sowie im Jahr 2001 Kronprinz Haakon von Norwegen und seine Frau Mette-Marit.

Über das Parlament, den Stortingbygningen, wanderten wir hinunter zu einem weitläufigen Platz, von dem man bervorragend einen Blick zum Osloer Stadtschloss auf der einen, dem Parlament auf der anderen Seite, hat. Versteckt hinter dem Parlament liegt die alte Oper, die gerade renoviert wird. Vor dem Stadttheater und der Ibsen Statue, bewegten wir uns aber nach links, zu einem Referenzbau des norwegischen Funktionalismus, dem Rathaus. Danach sahen wir das Nobel Peace Center und die Festungsanlage Akershus.

 

Wir machten uns am späteren Nachmittag auf den Weg in die Seenplatte und gönnten uns am Badhud, einer Schleussenanlage, eine kleine Kaffee und Fotopause.

Die letzte Station des Tages war dann Karlstad, eine Kleinstadt in der schwedischen Seenplatte, die wir noch vor dem Abendessen zu Fuss erkundeten.